Bunte Fluchtpunkte
Nach 53 Veranstaltungen in nur elf Tagen ist das Musikfestival Bern am Sonntag, 18. September zu Ende gegangen. Die Reaktionen von Publikum, Partnern und Interpret/innen stimmen überein: Unter dem diesjährigen Motto „Flucht“ ist ein vielseitiges, inhaltlich wie formal attraktives Programm gelungen. Die erstmalige Öffnung hin zur Weltmusik und zum Jazz hat zusätzliche Fluchtpunkte gesetzt, und als Ort der Begegnung bewährte sich das Festivalzentrum im Foyer des Stadttheater Bern.
„Ein stimmloser Hauch, ein farbiges Tremolo, derb gezupfte Harfenspritzer, sich überschlagende Flageolettklänge, ein nervöser Tutti-Strudel oder der pulsierende Rhythmus geflüsterter Wortfetzen...“ – so facettenreich, wie die Berner Zeitung den Auftritt des Ensemble Proton in der Dampfzentrale zusammenfasste, bot sich das gesamte Programm mit Konzerten, musiktheatralischen Aufführungen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Wettbewerbsbeiträgen des Schweizer Nachwuchses im Bereich Komposition und Interpretation.
Erfreuliche Publikumsresonanz
Die jüngste Auflage des Musikfestival Bern war ganz allgemein von einer gesteigerten Neugierde begleitet – insbesondere stiess auch die zeitgenössische Musik auf offene Ohren. Leo Dicks Opernexperiment in der musiktheatralischen Reise „Der Wunsch, Indianer zu werden“ war in sämtlichen acht Vorstellungen ausverkauft, überbucht war auch das Konzert „...der Sehnsucht Zeit“ des ensemble proton bern. Das assoziationsreiche Programm des Berner Kammerorchesters füllte das Münster, und selbst anspruchsvoll komplexe Konzertprogramme wie „vers la flamme“ des klavierduo huber/thomet und der Videokünstlerin Simone Zaugg zogen ein grosses und engagiertes Publikum an.
„Mit dem Programm des Musikfestivals Bern könnten andere namhafte Musikfestspiele gleich zweimal aufgetankt werden. Der Unterschied besteht aber darin, dass in Bern die Menschen wirklich der Programme wegen kommen – und nicht nur um gesehen zu werden.“ , sagt dazu Dr. Peter Gülke, Musikwissenschaftler und Dirigent in Berlin
Wichtige Plattform junger Komponist/innen und Interpret/innen
Mit dem Kompositionswettbewerb „Fluchtwege“ hat das Musikfestival Bern erneut eine Plattform für junge Komponierende angeboten. Die Jury honorierte die Komposition „Klänge der verwüsteten Täler II“ des armenischen Musikers Aram Hovhannisyan, ein „künstlerisch eindrückliches, handwerklich ausgereiftes Siegerstück, das dank raffinierter Klangmischungen und polyphon überlagerter Bewegungsformen“ der zeitgenössischen Musik richtungsweisende Masstäbe setzt. Mit der Integration des Concours Nicati ins Programm des Musikfestival stellten sich in diesem Jahr auch die junge Talente der Interpretation zeitgenössischer Musik einem breiten Publikum vor. Im Gesamtprogramm des Festivals drückt sich damit bereits wiederholt das Bekenntnis zum künstlerischen Nachwuchs aus.
Das Musikfestival Bern dankt dem Publikum, allen Partnern und Förderern für die engagierte Zusammenarbeit und freut sich bereits auf die nächste Auflage im Herbst 2013!

